Sie lächelt nicht mehr

Lieber Stulle!

Der Anruf auf den ich wartete kam. Und ich bekam das zu hören womit ich die ganze Zeit rechnete. Kennst du das, man weiß eigentlich was los ist aber erst wenn man es aus dem Mund eines anderen gehört hat, kann man es glauben oder besser für sich realisieren. Wobei realisieren wohl das falsche Wort ist, denn zu hören das Mama um ein Haar gestorben ist, ist einfach nicht real, auch jetzt noch nicht. Es kam wie ein Schlag ins Gesicht. Sie hätte es fast GESCHAFFT. Ich schreibe nur GESCHAFFT weil du hoffentlich weißt was ich meine. Sie wollte es. Ich traue mich nicht es klar und deutlich zu schreiben geschweigedenn zu sagen. Es tut weh, alles tut weh, die Bilder in meinem Kopf, die Angst vor einem erneuten Versuch, das eigene Versagen was man sich automatisch einredet. Die Blicke tuen weh, das nicht verstehen Außenstender.Mein Freund ist sauer auf meine Mama, fragt warum sie denn den Krankenwagen gerufen hätte wenn sie eigentlich anderes im Sinn hatte. Das diese Worte mich so sehr verletzen merkt er nicht, ich glaube er kann es nicht merken. ich weiß nicht welchen Wochentag wir haben und mein Kurzzeitgedächtnis ist im Eimer. Ich fühl mich wie in einer schlechten Daily-Soup in der ich die Rolle der "Blöden" habe. Ich fühle mich betäubt und mit allen meinen Ängsten allein gelassen. Die Worte "Das wird schon wieder" kann ich nicht mehr hören. Ich schäme mich zu Lachen weil es sich in dieser Situation so falsch anfühlt.

Jetzt ist Mama wieder zu Hause mit 1000 überweisungen auf dem Tisch, Psychartie... Sie sieht schrecklich schlecht aus und lächelt nicht mehr, gar nicht.Es sieht so aus als hätte sie es komplett verlernt, jegliche Gefühlsregeung fehlt. Bis auf das weinen. Mama hat mir viel erzählt, Dinge aus dem Krankenhaus, aber darauf möchte ich nicht näher eingehen. Sie hat schreckliche Angst das ich sie verleugnen werde oder sie nciht mehr leib hab. Es ist schwer ihr in so einer Situation klar zu machen das ich das nie könnte oder wollen würde. Sie bleibt meiner Mama und ich habe sie sehr lieb egal was sie getan hat oder noch tut. Ich will einfach nur das es ihr gut geht und will ihr helfen wo es nur geht. Ich will sie nicht verlieren, nie.

Aber ein dunkler Großstasthimmel hat auch manchmal ein paar Sterne. Einer davon leuchtet ganz stark für mich. Ich ziehe aus. Wir, das heißt ich mein Freund und ein "Kollege", haben eine passende Wohnung gefunden die einfach nur ein Traum ist. Perfekt für unseren WG Wusch und riesen groß wobei sie erschwinglich bleibt. Am Freitag wird der Mietvertrag unterschrieben. Ich freue mich so sehr über diesen Lichtblick, momentan ist es wirklich das einzige was meinen Optimismus  nicht ganz versiegen lässt und hätte ich den Schlüssel schon, du kannst mir glauben, ich würde hinfahren und mit Farben und einem Skizzierblock nur so wüten. Wenn ich was tue ist es leichter zu leben, zu überleben.

10.2.10 21:59, kommentieren

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Schlimmer geht immer

Lieber Stulle,

Gestern Abend hat Mama mir erzählt das sie jetzt wieder in die Klinik will, du weißt schon, sie hat doch solche schlimmen Probleme im Kopf, psychisch. Es war ein so schlimmes Gefühl, ich dachte das alles wieder gut wird, weil sie doch gerade erst weg war, so lange... Für acht Wochen habe ich sie nicht sehen können weil sie in der Reha war. Und ich dachte ich hätte sie danach wieder, so wie ich sie mir wünsche. Ich habe mich einfach gefreut auf all die banalen Dinge die wir immer gemacht haben.Zusammen in der Küche sitzen,einkaufen gehen obwohl es regenet und einfach beieinander sein. Und wie ist es gekommen? Ich habe sie seid sie wieder da ist einmal sehen können und jetzt sollte sie also schon wieder weg. Ich habe geweint und keiner hat mich verstanden Stulle, keiner! Alle sagen sie immer nur das ihr dort doch sicher geholfen wird, die Hoffnung musste ich aufgeben. Sie fährt mit den höchsten Erwartungen an sich und kommt wieder als das Häufchen Elend als welches sie gefahren war. Es wird ihr nicht geholfen, sie ist einfach nur nicht da! Und das mich das schrecklich traurig macht versteht keiner nicht mal mein Freund, kannst du dir das vorstellen?

Ich sitze in der Küche und starre das Telefon an, warte auf ein erlösendes klingeln. Weil die einfache Selbsterkenntnis von Mama gestern Abend das sie hilfe braucht anscheinend zu sehr ausgeartet ist und über das einfache Krankenwagen rufen und in die Psychatrie fahren hinaus ging. Mama ist nicht in der Psychatrie sondern auf der Intensivstation und ist gestern abend mit irgend etwas lebensbedrohlichem eingewiesen worde. Und das ist auch schon alles was ich weiß. Ich weiß das sie an 1000 Schläuchen liegt und beatmet werden muss und das sie sich am liebstens selbst entlassen würde, die Ärzte sie aber auf keinen Fall gehen lassen. Nur meine Tante darf von den Ärzten ins Vertrauen gezogen werden, dass was ich weiß kommt von meiner Oma die im Übrigen  ziemlich sauer auf mich ist, weil ich sie gestern abend nicht sofort angerufen habe. Das ich andere Sorgen habe als gleich die ganze Sippschaft in Aufruhr zu versetzten kann sie sich anscheinend nicht vorstellen. Ich bin wirklich ganz kurz vorm verzweifeln weil meine Tante einfach nicht anruft und ich mir das allerschlimmste ausmalen muss. Ich versuche mir die ganze Zeit einzureden das nichts sein kann, aber das passt weder mit der Geschichte gestern, noch mit dem zusammen was jetzt gerade anscheinend passiert. Ich weiß nicht mehr weiter Stulle und kann mit niemandem reden. Ich will einfach nur das alles endlich vorbeigeht, dass ich ein ganz normaler Teenager sein kann der nicht ständig um das Leben der eigenen Mutter bangen muss. Es tut unglaublich weh immer wieder mit so etwas konfrontiert zu werden, dass man die größte Zeit in Unwissenheit verbringen muss weil einen ja alle nur schützen wollen, letztendlich wird mir nur gesagt das ich auf sie aufpassen soll und warum, ist nach diesem Satz jawohl jedem klar.

Und morgen früh gehe ich zur Schule und muss funktionieren und das Leben prasselt wieder voll auf mich ein. Wenn ich dann müde aussehe weil ich einfach fertig mit der Welt bin werde ich nur ausgelacht und kriege einen dummen Spruch an den Kopf geworfen. Ich möchte jetzt noch zehn Kaffee trinken und dann in einen tiefen Dornröschenschlaf fallen und bloß nie wieder aufwachen.

8.2.10 19:35, kommentieren